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Unorthodox? Vielleicht. Aber jedenfalls erfolgreich!

Unorthodox? Vielleicht. Aber jedenfalls erfolgreich!
Radsport ist – egal mit welcher Intensität und in welcher Liga ausgeübt – ein hoch kompetitiver Sport. Neben der naheliegenden Bewertung nach körperlicher Leistungsfähigkeit gibt es mehrere andere, parallel ausgetragene Einzelwertungen, u.a. Wadendefinitionsgrad, Schuhwerk, Oberschenkelumfang, Bräunungsgrad, Zusammenspiel von Sonnenbrille und Helm, sowie die allgemeine Haltungsnote, im wesentlichen eine Kombinationswertung aus Radpreis und Posingfaktor.
Es ist daher kein Wunder, dass man vorbeikommende Radler (egal ob entgegenkommend oder überholend, überholt werdend) kritisch beäugt – immerhin muss innerhalb weniger Sekunden die Hierarchie in allen oben erwähnten Einzelwertungen hergestellt, und der Gegner entweder als Eierbär (langsamer, blader oder billigeres Rad) oder Arschloch (schneller, fescher, teureres oder gleich teures Rad) identifiziert werden.
Wenn man nun so an einander vorbei radelt, den Gegner fixiert, Augen zu Sehschlitzen, kann man die Stimmung zwischen den Radfahrern (die wie oben erwähnt ohnehin schon sehr kompetitiv ist) mit einer einfachen Unterlassung noch feindlicher machen: Nicht grüssen. Nicht mal bisschen winken oder den Kopf ein klein wenig zu einem Nicken senken. Nein, einfach stur weiterfahren, aber dabei den anderen nicht aus den Augen lassen. Erst durch diese passiv-aggressive Grundhaltung wird die zufällige Begegnung zum Kampf, der Radausflug zum Wettstreit.
Allen, die nicht bereit sind für diese Meisterschaft in psychologischer Kriegführung kann ich zwei kleine Tricks empfehlen, mit denen man der mental fordernden Situation aus dem Weg geht, ohne dabei als Omega-Tier eingestuft zu werden: Das zufällig-gerade-eben-auf-den-Tacho-schauen und das genau-jetzt-einen-Schluck-aus-der-Trinkflasche-nehmen-müssen. Aber auch wenn man sich mit Hilfe dieser beiden Kniffe vor dem Zweikampf erfolgreich drücken kann, muss man sich früher oder später der Herausforderung stellen und sich am Quer-über-die-Strasse-anstarren beteiligen. Wer damit anhaltende Schwierigkeiten hat, dem empfehle ich die Anschaffung einer Hauskatze. Da kann man das angestarrt werden prima üben.
Liebe Wiener Radfahrer, die ihr im Besitz von Fahrrädern seid, die über normale Plattformpedale verfügen:
Bitte überlasst die wenigen überhaupt vorhandenen Anhaltemöglichkeiten Leuten, die mit Click-Pedalen unterwegs sind. Natürlich, beide Füsse auf den Pedalen, lässig am Laternenmast lehnend, schaut cool aus und macht was her, zeugt immerhin auch von einem gewissen Mindestmass an Gleichgewichtssinn. Versteh ich voll und ganz, aber für mich würd’s wirklich was bringen, wenn ich mich nicht bei jeder Grünphase in die Clickies reinfriemeln müsste. Klick-Klack, dreimal treten, nächste Ampel, Klönk, hinstellen, wieder Klick-Klack, das muss doch nicht sein, oder?
Und wenn ich schon dabei bin: Liebe CityBike-Benutzer: Auch, wenn ich mich nicht an jeder Ampel ganz vorne an die Sperrlinie stelle (weil weiter hinten z.B. eine Anhaltemöglichkeit ist) bin ich wirklich, wirklich, wirklich schneller als ihr. Es bringt also nix, wenn ihr euch jedesmal erstrecht wieder vor mir hinpflanzt, damit ich euch halt wieder überholen muss. Ihr seid so langsam, ich glaube ehrlich, ich wäre sogar schneller als Lance Armstrong, wenn er auf einem CityBike unterwegs wäre. Ok, vielleicht nicht Lance Armstrong, aber zumindest Jan Ullrich. Ich glaub, den könnt ich kassieren. Ausser natürlich, er stellt sich genauso wie ihr bei jeder Ampel vor mich hin.
Dann vielleicht nicht.
Wenn der Radfahrer-Szene etwas fehlt, dann ist es noch ein Wichtigtuer, der nicht nur weiss, wie es geht, sondern dieses Wissen auch noch gerne mit (allen) anderen teilt. Der Entschluss, die Abteilung entbehrliche Hinweise zu gründen, fiel daher nicht schwer.
Beginnen wollen mit einem allseits beliebten Thema, dem Gruppenfahren.
Radfahren in der Gruppe ist eine erquickliche Abwechslung zu den sonst eher drögen Solo-Ausfahrten: Man kann tratschen und plaudern, lustige Spielchen spielen (z.B. kleine Ortstafelsprints) und dezent neue und sündhaft teure Rahmenaccessoirs wie Umwerfer oder Radcomputer vorführen. Der Trainings-Aspekt rückt in den Hintergrund, und Radfahren als soziales Ereignis wird zum bestimmenden Element.
Wird in der Ebene in einer Reihe gefahren, um die Kräfte zu schonen, empfehle ich, folgende Regeln einzuhalten, um die Ausfahrt für alle Beteiligten zum unvergesslichen Vergnügen zu machen:
Das Befolgen dieser vier einfachen Regeln stellt sicher, dass mentale und physische Erschöpfung einsetzen bevor die Hälfte des geplanten Kurses absolviert sind.