Donauinsel, Cyclodrom
Morgen. Be there or be square.
Morgen. Be there or be square.
Eines der wirklich seltsamen Dinge, an die man sich bei Vintage Fahrradzeug gewöhnen muss sind die abertausenden unterschiedlichen Standards bei so ziemlich allem. Wie ich ja bereits von Anfang an beklagte, hat das kleine Mistral eine 42/17-Übersetzung, da das Shimano-Freilaufritzel nur in 17 halbwegs leicht zu bekommen ist (auch wenn es eine 16Z-Variante gibt), und vorne in der Originalausstattung ein 52er und ein 42er Zahnkranz montiert waren.
So bin ich eine zeitlang durch die Gegend gegurkt, aber das war nicht wirklich das Gelbe vom Ei – dann hab ich vor einiger Zeit die geniale Idee gehabt, mir endlich ein 46er für vorne zu besorgen und hab auch gleich ein Stronglight bestellt – seriöse und ernsthafte Messungen haben einen Lochkreis von 110mm ergeben. Das Kettenblatt kam, sah, und wollte partout nicht passen. Ist irgendwas beim Messen falsch gelaufen. Eine nähere Überprüfung legte den seltsamen 116mm Lochkreis nahe, Sheldon nennt das Old Campagnolo (Obsolete). Nachdem ich mich schon so auf bessere Übersetzung gefreut hatte, wollte ich nicht mehr loslassen, und hab mir über Kent bei Gebhardt ein solches Kettenblatt bestellt, das ich mir gestern bei meinem Friseur abgeholt habe, gemeinsam mit einem neuen Haarschnitt.
Tja, und leider, leider, leider muss man sagen, dass ich noch genauer hätte messen müssen, denn auch der 116er passt nicht. Theoretisch könnte es ein 118er sein, aber die Stimmen in mir sagten, dass mir das jetzt auch schon wurscht ist.
Kommt halt das alte, kleine Blatt runter, und das alte, grosse Blatt rauf:
So macht das doch gleich was ganz andres her, oder?
Ja, es ist wirklich das 52er.
Eine neue Kette hab ich mir auch gleich gegönnt (nona, muss ja jetzt länger sein), eine Wippermann Weisstern 108 grummelt und greamelt jetzt über die schiefe Kettenlinie.
Das Anfahren ist zwar etwas gar streng, aber ansonsten macht das so nun schon deutlich mehr Sinn. Bratislava, ich komme!
Mit dem Eingangrad von Wien nach Bratislava? Klar, aber bitte nur im Winter!
The Slovakia Experiment, 2er-Team-Rennen am 10. Jänner 2009.
Ausgeheckt von den Jungs und Mädels von fixedgear.at.
Wird Zeit, dass das Mistral Landluft schnuppert! Gebt mir ein 46er Kettenblatt, einen Schal und eine Thermoskanne, ich bin dabei!
Alles weitere kann im dazugehörigen Diskursraum gelesen oder erfragt werden.
Die Kenntnis der Differenz zwischen dem, was man kann und dem, was man nicht kann, mögen manche als Lebenserfahrung bezeichnen.
Meine Lebenserfahrung hat heut wieder mal ein Preispickerl dazubekommen: 130,80 Euro.
So viel kostete die Reparatur meiner Einspeichversuche. Leider auch deshalb, weil die Hinterradfelge perdü gegangen ist und daher komplett neu eingespeicht werden musste.
Dafür fahre ich absofort mit Custom Wheels built by Gaffi!
Die eingespeichten Laufräder waren weich – zu weich, nicht nur meiner Meinung nach. Also nochmal den Zentrierständer und den Speichenschlüssel ausgepackt – bohemien, am Esstisch und mit Wein als Fixierhilfe.
Da war die Welt noch in Ordnung.
Ein-zwei-drei-vier Missgeschicke später bin ich ohne Reservespeichen, ohne Singlespeeder und auf der Suche nach eine(r|m) Fach(frau|mann).
Die erste kleine Ausfahrt mit dem neuen Juwel ist vielversprechend – das Hinterrad hat zwar gleich mal einen ziemlich üblen Höhenschlag bekommen und schreit nach dem Zentrierständer, aber nicht einmal das konnte den Fahrspass trüben.
An die neue Position und den Aerolenker konnte ich mich schon auf der kurzen Fahrt den Ring entlang gewöhnen, und die Bremsen greifen auch besser als befürchtet.
An die Übersetzung 42-17 muss ich mich noch gewöhnen, das ist deutlich weniger, als ich gerne gehabt hätte. Aber in der Stadt soll man eh nicht so rasen.
Der Sattel ist noch ein bissl komisch montiert, aber ein Aspide ohne Sitzpolster ist an sich schon eine komische Idee.
Schaut ja eigentlich schon ganz fertig aus. Die Lenkerbandwicklung ist zwar wieder mal so-lala, und über das kleine Abenteuer mit der Ablängung der Kette breiten wir den Mantel des Schweigens, aber zumindest schaut das Ding mal so aus, als wäre es bereit für eine kleine Probefahrt.
Der Teufel steckt aber natürlich wie immer im Detail – der Zug ist nicht schön unter dem Band verlegt …
… und die Hülle vom Vorderbremsenzug ist zu lang.
Jetzt hoff ich nur mehr, das Ding zerlegt sich nicht in seine Einzelteile bei der Jungfernfahrt!
Laufräder eingespeicht, zentriert, mit Felgenband versehen, Mantel und Schlauch rinnegemacht.
Aerolenker montiert.
Aber es liegt trotzdem noch viel Arbeit vor mir: Den Rahmen vom Restdreck befreien, Kettenblätter wieder raufschrauben, Kette kürzen und montieren, Bremshebel montieren, Züge verlegen, Lenkerband wickeln, Sattelstütze und Sattel drauf.
Aber dann isses fertig.