Vor exakt einer Woche, am Freitag, den 27.6. durfte ich in Klosterneuburg feststellen, dass ich neben einer Lebensmittelallergie auf Ananas auch an einer Asphaltunverträglichkeit leide. Im Kontakt mit Strassenbelag bildet meine Haut grossflächig offen-entzündete Stellen, die sezernieren und sehr druckempfindlich sind.
Wahrscheinlich muss es einen in einem Radlerleben mindestens einmal so richtig auf die Goschen hauen. Das hab ich hinter mich gebracht. Und wahrscheinlich muss man auch einmal einen echten Verkehrsunfall mitgemacht haben. Kann ich auch abhaken.

Ich bin extra voller Vorfreude früher aus der Arbeit gegangen, denn auf dem Trainingsplan stand heute eine ganze neue Trainingseinheit: K2, Bergintervalle. Noch nie gemacht, bisher immer mit Kraftausdauer und Ausdauer hantiert. Ich bin also am Donauradweg nach Greifenstein, und rauf auf’s Hadersfeld, 6 Minuten rauf, dann wieder runter, wieder 6 Minuten rauf, wieder runter, und dann nochmal rauf, bis ganz oben. Ist super gegangen, und ich bin mit 34-27 und über 90 Kadenz sehr rund gefahren, war richtig ein bisschen stolz auf mich.
Ich wollte dann einfach nur mehr am Weissen Berg vorbei, und runter zurück nach Klosterneuburg, und dann heim. Dieser Strassenabschnitt (bereits im Ortsgebiet) ist pfeilgerade, abschüssig, und sehr eng. Links Häuser, rechts geparkte Autos. Ich lass es mit 40 bergab rollen und sehe einen Mann, wie er mit einer Box von seinem Haus zu einem Auto geht, die Tür öffnet, und zu hantieren beginnt. Ich kriege das Gefühl, dass er gleich umdrehen und wieder zurück ins Haus gehen wird. Um mögliche Probleme zu vermeiden (Hat er mich gesehen? Kann er meine Geschwindigkeit richtig einschätzen?), will ich ein bisschen weiter nach links, um mehr Seitenabstand zu ihm zu haben.
Ich gehe leicht nach links, und spüre plötzlich Blech an meinem Knie! Ich schau rüber, sehe einen Kotflügel, kurz darauf knallt der Rückspiegel des laut Zeugen 70 fahrenden Autos in meine Sattelstütze. Natürlich völlig unhaltbar, an reagieren ist gar nicht mehr zu denken, mich lasst’s voll hin, falle zuerst auf die rechte Seite, und schlittere dann Kopf voran auf der linken Seite auf eine Reihe parkender Autos zu. Scheissescheissescheisse denk ich mir, doch die Bremswirkung von Asphalt auf nackter und leicht bekleideter Haut ist ganz ausgezeichnet, und so schlage ich im parkenden Opel Corsa nicht mehr ein, sondern werde von ihm sanft aber bestimmt zum Stillstand gebracht.
Nach einer kurzen Schrecksekunde und noch mehr Scheissescheisse der erste Gedanke: Was ist mit meinem Rad?
Schock muss eine Erfindung von Kapitalisten sein.
Zum Glück sind sofort hilfsbereite Menschen zugegen, der Autofahrer hat auch angehalten, Polizei und Rettung kommen. Kommentar der Ärztin, als ich in die Notaufnahme des KH Klosterneuburg dackle: Na Servas.
Ultraschall und Röntgen ergeben: Nix gebrochen, nix gequetscht, nur Abschürfungen an Ober- und Unterschenkel, beiden Hüften, am linken Torso, linkem Elbogen und linker Schulter.
Gerald war so nett und hat mich aus Klosterneuburg abgeholt (heimfahren ging ja wirklich nicht), und als er mich aus der Ambulanz kommen sah, hatte er in seiner gewohnt führsorglichen Art sofort ein paar aufmunternde Worte parat: Na, so schlimm is eh ned. I hätt mir gedacht, es is ärger.
Reizend.
Auch dem Rad geht es den Umständen entsprechend gut, alles, was vom Rahmen absteht, ist geschrottet, aber Rahmen und Gabel dürften keinen Schaden genommen haben. Ich hoffe es jedenfalls.
Nächste Woche krieg ich es wieder.
Wenn Dich das Pferd abwirft, steh auf und setz Dich wieder drauf.
Nächstes Wochenende: Greifenstein, Hadersfeld, dann am weissen Berg vorbei und wieder runter nach Klosterneuburg. Das wär ja gelacht.